Wenn das Licht zerbricht
Selbst wenn alles zerbricht, die Scherben spiegeln das Licht. Das ist ein passendes und lebensbejahendes Zitat für den isländischen Film WENN DAS LICHT ZERBRICHT von Rúnar Rúnarsson.
Als Una am Morgen im Bett von Diddi aufwacht, ist ihr noch nicht bewusst, dass sich heute alles verändern wird. Ihr Freund Diddi reist zu seiner eigentlichen Freundin Klara, mit der er Schluss machen will, um mit Una öffentlich zusammen zu sein. Una macht sich auf den Weg zu ihrem Studium der Performativen Künste, doch dann erhält sie eine tragische Nachricht: Diddi ist im Zuge eines großen Verkehrsunfalls gestorben. Wir begleiten Una nun, wie sie mit ihren Freunden trauert, doch als dann Klara auftaucht, wird die Situation für Una noch unerträglicher, weil sie für ihren Verlust keinen Platz findet.
Der deutsche Titel des Films ist ein Bild für Unas Gefühle. Diddi und seine Liebe zu ihm sind das Licht in ihrem Leben und da Diddi jetzt tot ist, herrscht Dunkelheit. Keiner weiß, dass sie ein Paar waren. Deswegen kann sie ihr Leid nicht zeigen und dem Schmerz keinen Ausdruck verleihen. Alle stehen Klara bei und sind für sie da, während Una in der Freundesgruppe alleine mit ihrem Kummer bleibt. Der Film erzählt nur diesen einen bedeutsamen Tag im Leben Unas, an dem sie die 5 Stufen des Trauerns durchlebt. Elin Hall ist die Darstellerin von Una. Sie zeigt glaubhaft das Verleugnen, den Zorn, die Verhandlung, Depression und Annahme des Verlustes. Die Darstellung dieser intensiven Emotionen wird unterstützt durch eine Kamera, die nah an Una dran bleibt. Außerdem nutzt der Regisseur Rúnar Rúnarsson ein kühles Farbschema, lange, ruhige Einstellungen, Spiegelungen und Lichtreflexe, um die Geschichte des Wartens und Bangens bis zur Gewissheit und die Gefühle, die damit verbunden sind, einzufangen. Dazu braucht es gar kein großes Orchester oder viel Musik. Es gibt trotzdem ein musikalisches Leitmotiv im Film und zwar Johann Johannsons „Odi et amo“. Der Text stammt ursprünglich vom lateinischen Dichter Catull und heißt übersetzt „Ich hasse und liebe“ und geht weiter „warum ich dies mache, fragst du vielleicht“. Das passt inhaltlich und musikalisch gut zu Unas Gefühlslage, wie viele Bilder, die das Licht und den Himmel einfangen.
Das Drama hat uns emotional nicht ganz abgeholt, trotz der Menschen, die sich sehr nah stehen und füreinander da sind. Vielleicht liegt es am beobachtenden Blick, denn einige der Szenen erschienen uns zu lang. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Film nur einen langen Sommertag auf Island einfängt.
Das Licht, schon im Titel enthalten, bahnt sich einen Weg durch die Geschichte. Es ist die Sommersonne in Island, die Lichter und der Feuerball im Tunnel, das Licht, in dem die Menschen auf das schreckliche Ereignis und ihren Verlust schauen, das Abendrot, das von den Wellen reflektiert wird.
Wir empfehlen das melancholische Drama ab 15 Jahren, weil wir denken, dass man sich erst dann in die Gefühlslage von Una hinein versetzen und sich darauf einlassen kann.
Gattung: | Drama |
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Regie: | Rúnar Rúnarsson |
Darsteller: | Elín Hall; Katla Njálsdóttir; Mikael Kaaber; Ágúst Wigum |
Drehbuch: | Rúnar Rúnarsson |
Kamera: | Sophia Olsson |
Schnitt: | Andri Steinn Guðjónsson |
Länge: | 82 Minuten |
Kinostart: | 08.05.2025 |
Verleih: | Neue Visionen |
FSK: | 12 |
Elterninfos: | Altersempfehlung der JFJ: Ergänzend zur gesetzlichen Altersfreigabe der Jugendschutz-Experten der FSK spricht die FBW-Jugend Filmjury Filmempfehlungen und Alterseinschätzungen aus. Damit geben die mit Kindern und Jugendlichen besetzten Jurys Hinweise, ab wann ein Film aus ihrer Sicht für das junge Publikum geeignet ist. Dies soll Eltern und Kindern bei der Auswahl altersgemäßer Filme helfen, als auch Orientierung geben hinsichtlich ihrer individuellen Ansprüche.
FSK: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ist damit beauftragt, auf Basis des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) zu prüfen, für welche Altersstufen ein Film keine gefährdende Wirkung hat (0, 6, 12, 16 und 18 Jahren). Die FSK-Ausschüsse sprechen Freigaben nach der gesetzlichen Vorgabe aus, dass Filme und andere Trägermedien, die "geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen", nicht für ihre Altersstufe freigegeben werden dürfen (§ 14 Abs. 1 JuSchG). |
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FSK Website: | fsk.de; |
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