Die Wütenden – Les Misérables

Filmplakat: Die Wütenden – Les Misérables

Der Film spielt in einem französischen Viertel, in dem sich selbst der Bürgermeister einen Dreck darum schert, was in seinem Stadtteil passiert. Die Polizei, BAG, wie sie hier genannt wird, versucht sich mit Gewalt den Respekt der Jugendlichen und der Gangs zu verschaffen, scheitert allerdings jeden Tag aufs Neue. Stephane kennt das so nicht. Er gerät an ein neues Team, Chris und Gwada, zwei Polizisten, welche seit zehn Jahren dort sind und gegen die Kriminalität vorgehen, indem sie Gewalt und Angst verbreiten. Stephane ist mitten in die Wut hineingeraten und soll nun seinen Job machen, in einem Viertel, in dem die Gewalt und der Hass wie eine Zeitbombe ticken. Doch Gewalt erzeugt neue Gewalt, und Angst hat nichts mit Respekt zu tun. So eskaliert der erste Arbeitstag von Stephane, als die BAG ein Löwenbaby finden soll, welches aus dem Zirkus gestohlen wurde. Ein Junge, Issa, der in seinem Viertel bekannt dafür ist, Mist zu bauen, wird verfolgt und festgenommen. Doch die Jugendlichen wehren sich, bäumen sich auf gegen die Brutalität, mit der die drei Cops vorgehen. Dabei wird Issa von einer Flash-Gun angeschossen, mitten ins Gesicht. Shala, der Besitzer eines Dönerladens sagt den Polizisten ins Gesicht, was alle schon fühlen können: „Ihr werdet die Wut und die Schreie nicht verhindern können.“ Das Erleben von Polizeigewalt ist die alltägliche Realität für viele Menschen. Durch actionreiche Szenen und dramatische Konflikte wird die Problematik im Film DIE WÜTENDEN – LES MISÉRABLES glaubwürdig rübergebracht. Er kritisiert den willkürlichen Gewalteinsatz, denn Gewalt kann nur neue Gewalt hervorbringen. Der rote Faden in der Gesamthandlung ist leider stellenweise nicht vorhanden, da es für die Polizisten nur von Einsatz zu Einsatz geht und die Nebenhandlungen nicht weiter ausgebaut werden. Es gibt auch nach ca. zwei Dritteln des Films eine Szene, die sich sehr wie der Schluss anfühlt, was aber nur eine Überleitung zum nächsten Tag ist. Der Hauptfokus bei den Einsätzen der Polizisten gibt dem Zuschauer eine gute Vorstellung davon, wie die BAG das Geschehen wahrnimmt, trägt aber leider nicht dazu bei, dass die Gesamthandlung immer logisch erscheint. In Konfliktsituationen wird dem Zuschauer durch die treibende Musik das Gefühl der Anspannung vermittelt. Durch hektische Kamerafahrten wird die realistische Darstellung der chaotischen Zustände verstärkt zum Vorschein gebracht. Leider finden wir, dass die Handlung außerhalb der Konflikt- bzw. Streitszenen ein wenig fad und lieblos wirkt, da die tragenden Emotionen, wie Erleichterung oder auch Trauer, nicht wirklich zu Geltung kommen. Auch die Dialoge sind eintönig und ein wenig sonderbar. Andererseits kann man an der Rhetorik und zwischenmenschlichen Kommunikationen die jeweiligen Bildungsstände und Herkunftsgebiete der am Gespräch beteiligenden Charaktere gut erschließen. Es war aber das Ende des Filmes, das uns besonders mitgerissen hat, denn hier vereinen sich alle positiven Aspekte wie Kameraführung, Action, Musik und geballte Emotionen zu einem dramatischen Chaos. Es ist nicht das große Mainstreamkino, aber der Film zeigt ungeschönt eine leider traurige Realität, über die noch nicht hinreichend aufgeklärt wird. Obwohl die FSK für diesen Film eine gesetzliche Alterskennzeichnung „ab 16 Jahren“ ausgesprochen hat, sind wir davon überzeugt, dass er auch schon für Zuschauer ab 14 Jahren geeignet ist. [Anmerkung der Redaktion: Begleitung eines Erwachsenen empfohlen, weil FSK 16]

wütend
actionreich
mitreißend
dramatisch
realistisch

Gattung:Drama
Regie:Ladj Ly
Darsteller:Damien Bonnard; Alexis Manenti; Djebril Zonga
Drehbuch:Ladj Ly; Giordano Gederlini; Alexis Manenti
Kamera:Julien Poupard
Schnitt:Flora Volpelière
Musik:Pink Noise
Länge:104 Minuten
Kinostart:23.01.2020
VÖ-Datum:08.05.2020
Verleih:Wild Bunch
FSK:16
Elterninfos:FSK Kennzeichnung zum Film: Der Film ist in einem dokumentarischen Stil inszeniert und schildert die dramatische Situation in den Pariser Problembezirken auf sehr realistische und eindringliche Weise. Jugendliche ab 16 Jahren sind in der Lage, diese Schilderungen in den gesellschaftskritischen Kontext einzuordnen und angemessen zu verarbeiten. Auch wenn der Film keine Lösungen anbietet, ist von einer negativen Wirkung nicht auszugehen: Gewalt wird nicht verherrlicht und das offene Ende regt zu einer kritischen Auseinandersetzung an, die von Zuschauern ab 16 Jahren auch geleistet werden kann. FSK: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ist damit beauftragt, auf Basis des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) zu prüfen, für welche Altersstufen ein Film keine gefährdende Wirkung hat (0, 6, 12, 16 und 18 Jahren). Die FSK-Ausschüsse sprechen Freigaben nach der gesetzlichen Vorgabe aus, dass Filme und andere Trägermedien, die "geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen", nicht für ihre Altersstufe freigegeben werden dürfen (§ 14 Abs. 1 JuSchG). Ergänzend zur gesetzlichen Altersfreigabe der Jugendschutz-Experten der FSK spricht die Jugend Filmjury der FBW Filmempfehlungen und Alterseinschätzungen aus. Damit geben die Jurys Hinweise, ab wann ein Film für Kinder geeignet ist. Dies soll Eltern und Kindern bei der Auswahl altersgemäßer Filme helfen, als auch Orientierung geben hinsichtlich ihrer individuellen Ansprüche.
FBW Website:und das sagen die Erwachsenen
FSK Website:;

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